Wenn Holz beim Streichen durchblutet...
Wer Holz streicht, freut sich zunächst über einen frischen Anstrich. Umso ärgerlicher ist es, wenn kurze Zeit später gelbliche, bräunliche oder sogar rötliche Flecken durch die Farbe hindurch sichtbar werden. Dieses Phänomen wird häufig als Durchbluten von Holz bezeichnet.
Die gute Nachricht: Mit der richtigen Vorbereitung lässt sich das in den meisten Fällen vollständig vermeiden.
In diesem Ratgeber erfährst Du,
- warum Holz durchblutet,
- welche Holzarten besonders betroffen sind,
- wann eine Sperrgrundierung notwendig ist
- und wie Du dauerhaft ein sauberes Streichergebnis erhältst.
Was bedeutet "Holz blutet aus /durch"?
Von einem durchblutenden Holz spricht man, wenn natürliche Inhaltsstoffe aus dem Holz an die Oberfläche wandern und den neuen Anstrich verfärben.
Dabei handelt es sich nicht um Feuchtigkeit aus dem Holz, sondern um natürliche Stoffe wie:
- Harze
- Gerbstoffe (Tannine)
- natürliche Öle
- Farbstoffe
Vor allem wasserbasierte Farben können diese Stoffe anlösen. Sie wandern anschließend durch die Farbschicht und verursachen gelbliche oder bräunliche Flecken.
Das Ergebnis sieht häufig so aus, als hätte sich die Farbe verfärbt – tatsächlich stammt die Verfärbung jedoch aus dem Holz selbst.
Welche Hölzer bluten besonders stark durch?
Nicht jede Holzart verhält sich gleich. Einige enthalten deutlich mehr Harze oder Gerbstoffe als andere.
Nadelhölzer
Besonders anfällig sind:
- Kiefer
- Fichte
- Lärche
- Douglasie
Vor allem Astlöcher und harzreiche Bereiche können selbst nach Jahren noch Harz austreten lassen.
Hier empfiehlt sich fast immer ein Sperrgrund.
Gerbstoffhaltige Laubhölzer
Auch einige Laubhölzer können starke Verfärbungen verursachen.
Dazu gehören:
- Eiche
- Kastanie
- Walnuss
- Robinie
Diese enthalten sogenannte Tannine (Gerbstoffe). Kommen sie mit Wasser oder wasserbasierten Farben in Kontakt, entstehen häufig braune oder graue Flecken.
Ölhaltige Tropenhölzer
Auch exotische Holzarten können problematisch sein.
Beispiele:
- Teak
- Bangkirai
- Meranti
- Mahagoni
Hier verhindern natürliche Öle häufig eine gute Haftung der Farbe. Zusätzlich können Inhaltsstoffe in den Anstrich wandern.
Weniger kritische Holzarten
Diese Hölzer verursachen deutlich seltener Verfärbungen:
- Buche
- Ahorn
- Pappel
- Birke
Dennoch empfiehlt sich bei unbekannten Holzarten immer eine kleine Probefläche.
Woran erkennt man, dass Holz durchblutet?
Typische Anzeichen sind:
- gelbliche Flecken
- braune Verfärbungen
- dunkle Astlöcher
- ungleichmäßige Schatten
- Flecken, die nach einigen Tagen wieder sichtbar werden
Oft wirkt der erste Anstrich zunächst perfekt. Erst während der Trocknung oder einige Tage später treten die Verfärbungen auf.
Wann benötigt man eine Sperrgrundierung?
Eine Sperrgrundierung solltest Du immer einsetzen, wenn:
- Du harzreiche Nadelhölzer streichst.
- Eiche oder andere gerbstoffhaltige Hölzer gestrichen werden.
- Astlöcher vorhanden sind.
- bereits alte Harzflecken sichtbar sind.
- helle oder weiße Farbtöne verwendet werden.
- unbekannte Holzarten gestrichen werden.
- alte Nikotin-, Wasser- oder Rauchflecken überstrichen werden sollen.
Gerade bei weißen Möbeln oder hellen Lackierungen lohnt sich die zusätzliche Grundierung fast immer.
Was macht eine Sperrgrundierung?
Eine Sperrgrundierung oder auch Sperrgrund bildet eine isolierende Schicht zwischen Holz und Farbanstrich.
Dadurch können Harze, Gerbstoffe und andere Inhaltsstoffe nicht mehr bis zur Oberfläche gelangen.
Gleichzeitig verbessert sie häufig:
- die Haftung der Farbe
- das gleichmäßige Deckbild
- die Haltbarkeit des Anstrichs
So erhältst Du ein dauerhaft schönes Ergebnis ohne spätere Verfärbungen.
So gehst Du richtig vor
1. Holz reinigen
Staub, Fett und Schmutz gründlich entfernen.
2. Leicht anschleifen
Die Oberfläche mit feinem Schleifpapier (ca. Körnung 180–220) anschleifen und anschließend entstauben.
3. Sperrgrund auftragen
Die Grundierung gleichmäßig auftragen und vollständig trocknen lassen.
Die Herstellerangaben zur Trocknungszeit sollten unbedingt eingehalten werden.
4. Anschließend streichen
Jetzt kann die gewünschte Möbelfarbe oder Lackfarbe aufgetragen werden.
Da die Inhaltsstoffe bereits abgesperrt sind, bleibt der Farbton dauerhaft sauber.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann Holz auch nach Jahren noch durchbluten?
Ja. Besonders Harz in Kiefer oder Lärche kann selbst nach vielen Jahren noch austreten.
Reicht normale Grundierung aus?
Nein. Eine normale Haftgrundierung verbessert zwar die Haftung, verhindert aber meist nicht das Durchschlagen von Harzen oder Gerbstoffen.
Kann ich direkt mit Kreidefarbe streichen?
Bei unkritischen Holzarten häufig ja.
Bei Kiefer, Eiche oder unbekannten Hölzern empfiehlt sich jedoch vorher eine Sperrgrundierung.
Muss jedes Möbelstück grundiert werden?
Nein.
Bei Buche oder Ahorn ist eine Grundierung oft nicht notwendig. Bei harzreichen oder gerbstoffhaltigen Hölzern dagegen ist sie eine sinnvolle Investition.
Fazit
Nicht jedes Holz benötigt eine Sperrgrundierung – doch bei harzreichen Nadelhölzern, gerbstoffhaltigen Laubhölzern oder öligen Tropenhölzern kann sie spätere Verfärbungen zuverlässig verhindern.
Wer sein Möbelstück vor dem Streichen richtig vorbereitet, spart sich oft einen kompletten Neuanstrich und erhält ein dauerhaft schönes Ergebnis.
Unser Tipp: Wenn Du Dir unsicher bist, aus welcher Holzart Dein Möbel besteht, lege zunächst eine kleine Probefläche an. Zeigen sich nach dem Trocknen gelbliche oder braune Flecken, solltest Du vor dem endgültigen Anstrich unbedingt eine hochwertige Sperrgrundierung verwenden.
